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Der Pabst spricht

Ronald Pabst, Jahrgang 1973, Master of Arts in European Culture and Economy und seit Januar 2012 Geschäftsführer von Democracy International, lässt Sie an seinen Gedanken zu Demokratie, Internet, Europa und anderen ausgefallenen Themen teilhaben. Jeden Monat neu. Folge verpasst? Ältere Texte können Sie hier nachlesen.   Jeder Beitrag ist auch als Audioversion zu hören. Klicken Sie einfach auf den blauen Pfeil vor der Überschrift (Länge 5'44).

Change, not Charity: Fundraising für Politik

Politische Gruppierungen sammeln Spenden, um Änderungen in der Gesellschaft durchzusetzen. Dabei unterscheiden sie sich diesem wichtigen Punkt von Wohltätigkeitsorganisationen: denn Letztere wollen ja mit den Spenden Bedürftige unterstützen. Für die Praxis des Fundraisings hat das Konsequenzen; drei Aspekte werde ich hier aufzeigen.

Wofür braucht ein Fachverband oder eine Bürgerorganisation Geld? Es fängt an mit profanen Dingen wie Aufklebern und Flugblättern; steigert sich zu Anzeigen und hört schließlich bei einer Büroinfrastruktur mit festen Mitarbeitern auf. All dies will finanziert sein, wenn eine Gruppe aus der Grasswurzelebene hinaus wachsen will. Und das ist nötig, wenn man eine politische Zielsetzung jenseits der Protestebene durchsetzen will.

Gemeinerweise ist der politische Prozess zäh. Gesetzesprojekte haben eine lange Vorlaufzeit, auf europäischer Ebene kann es schon mal 10 Jahre und länger dauern. Und auch nach Verabschiedung eines Gesetzes ist noch lange nicht Schluss mit der Lobbyarbeit: Denn viele Paragraphen bleiben wirkungslos, weil niemand ihre Umsetzung vorantreibt. Nein, es reicht nicht aus, sich in zugespitzten Situationen auf Demonstrationen zu begeben. Politischer Wandel braucht mehr.

Nehmen wir zum Beispiel die Anti-AKW-Bewegung. Sie hat viele Formen entwickelt: Das genial aufgestellte basisdemokratische Organisation X-Tausendmalquer gehört ebenso dazu wie verschiedene Fachinstitute, die mit wissenschaftlich validen Argumenten gegen die lebensbedrohliche Technologie kämpfen.

Spenden für Lobbyismus?

Eine erfolgreiche Bewegung braucht beide Elemente. Dabei ist es eine besondere Herausforderung, für eine schlagkräftige Organisation ausreichend Spendengelder zu sammeln.

Denn das Schreiben von Papieren oder die Hintergrund-Gespräche mit Politikern sind doch nur mäßig zu vermittelnde Spendenzwecke. Wer würde denn schon für Lobbyismus spenden? Um es deutlich zu sagen: Das sind doch genau die Posten im Budget, die der Spender einer klassischen Wohltätigkeitsorganisation möglicht niedrig sehen will.

Mitglieder, Mitglieder, Mitglieder

Deswegen sind für politische Gruppen Mitglieder die wichtigste Unterstützungsquelle. Das hat zwei Gründe: Die politische Legitimität hängt maßgeblich von deren Zahl ab. Politiker und Medien geben Anliegen mehr Raum, wenn viele Menschen dahinter stehen. Zum anderen ist es natürlich besser, die Einnahmen planen zu können. Eine möglichst breite Basis an Mitgliedern sorgt hier für die nötige Sicherheit, um Arbeits- und Mietverträge abzuschließen.

Dabei unterscheiden sich Parteien und andere politische Gruppen kaum. Auf allen Webseiten der etablierten Parteien findet sich die Werbung um Mitgliedschaften vor der Bitte um Spenden.

Grundlage: Eine gut gepflegte Datenbank

Eine zivilgesellschaftliche Organisation sollte kontinuierlich und zielgerichtet mit ihren Interessenten kommunizieren. Denn wer ein politisches Anliegen hat, der wird Gleichgesinnte suchen, mit denen er es umsetzen kann. Der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung ist ein wichtiger Schritte zur dauerhaften Unterstützung.

Nun endet der erste Kontakt zu einem Menschen selten damit, dass er den Mitgliedsantrag unterschreibt. Deswegen ist es zentral, möglichst viele Menschen zu fragen, ob sie weiter von der Organisation informiert werden wollen. Ohne diese Einverständniserklärung geht nichts.

Dann gilt es, eine ordentliche Datenbank aufzubauen. Denn dieses Wissen muss unabhängig von Personen und Organisationseinheiten zugänglich sein. Das ist die zentrale Grundlage für eine regelmäßige Kontaktaufnahme, zum Beispiel per Newsletter oder Brief. Wer hier einen „guten Verteiler“ hat, der hat die Grundlage geschaffen für den Aufbau eines großen Mitgliedsstamms.

Eine solch gut aufgestellte Gruppe kann ihrem Anliegen Gehör verschaffen. Die Mitglieder werden das unterstützen und sie bilden gemeinsam eine Gegenmacht zu den materiell gut ausgestatteten Lobbyfabriken der Industrie. Nötig ist es, ohne Frage.

Ronald Pabst, 1.12.2011