|
Kulturkampf
Einmal im Jahr ist alles in Ordnung mit der Kultur. Dann schreitet die Bundeskanzlerin in "bester Tradition" diesen Hügel in Bayreuth hinan, um die Aufführung einer Wagner-Oper zu genießen. Anschließend geht es zum Wandern. Dabei sind selbst an dieser Kultstätte einiger weniger inzwischen die Erosionserscheinungen nicht mehr zu übersehen.
Der Rest des Jahres gehört, von wenigen Kunstpausen abgesehen, dem Kampf der Politiker gegen Kulturausgaben. Und dem Widerstand der Kulturschaffenden gegen die Sparpläne. Allmählich ist den Kulturschaffenden das Wasser so weit abgegraben, dass der Widerstand erlahmt. Nur so ist zu erklären, dass die ewig gleichen Mechanismen greifen beziehungsweise eben nicht greifen.
Der Kampf um die Kultur, und das wollen oder können die Verantwortlichen auf der Seite der so genannten Hochkultur nicht begreifen, ist nicht gegen ein paar ignorante Kommunalpolitiker zu führen. Es geht nicht um die kleinkarierte Auseinandersetzung zwischen zwei Fronten, sondern es geht um nichts weniger als um die Gunst der Publika. Wenn die Kulturinstitutionen ihre Aktivitäten weiter darauf beschränken, möglichst viele Abonnenten zu gewinnen, werden sie verlieren.
Es gilt, die Menschen auf ihren Sofas abzuholen, ihre Herzen zu begeistern, sie auf die Straßen zu treiben, um den Kampf um ihre Kultur zu führen. Dazu braucht es Visionen, Fantasie und Leidenschaft. Keine Unterschriftenlisten in letzter Sekunde, sondern Begeisterung von der ersten Sekunde an. Eine große Aufgabe. Aber die einzige Chance.
Herzlichst, Ihr Michael S. Zerban
|