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Kaum entflammt
Schloss Dyck gehört zu den schönsten Wasserschlössern des Rheinlandes und verfügt über einen wunderschönen Englischen Landschaftsgarten. Außerdem ist die Anlage kommerziell unter allen Aspekten sehr effektiv genutzt. Eine der zahlreichen Veranstaltungen ist die Illumina im Sommer. Dann sind Park und Schloss nachts beleuchtet und ziehen die Besucher an wie das Licht die Motten. Nur der Funke will nicht überspringen.
Vielleicht sind es die kostenlosen Parkplätze, die die Besucher aus dem ganzen Rheinland nach Jüchen in das Dycker Ländchen ziehen. Vielleicht ist es auch die romantische Vorstellung eines bei Nacht beleuchteten Schlosses in der Provinz, das die Menschen in Scharen strömen lässt. Es ist einer der wenigen schönen Sommerabende dieses Jahres. Die Wolken zerfleddern und geben den Blick auf den Mond frei. An den Kassen warten lange Schlangen, die zügig abgefertigt werden. Einen Lageplan bekommt nur, wer ihn offenen Auges an der Kasse liegen sieht und danach fragt. Der Eingang liegt seitlich des Schlosses und ist schlecht ausgeschildert. Das ist aber auch das einzige Manko der Organisation.
Schloss Dyck, erstmals 1094 urkundlich erwähnt, hat sich seit der Umwandlung in eine Stiftung im Jahre 1999 in ein hocheffizientes Unternehmen gewandelt. Da finden sich auf dem Gelände vier gastronomische Einrichtungen; Obstverkauf wird am Eingang in großem Stil betrieben; Veranstaltungen wie Kongresse oder Feiern können selbstverständlich im Schloss ausgerichtet werden – und nicht zuletzt hochkarätige Events wie die Classic Days, bei dem Oldtimer im Schloss vorfahren, beleben das Geschäft. Die Preise sind für ein Anwesen auf dem Lande mutig hoch. Das schreckt an diesem Abend niemanden.
Dicht an dicht schlängeln sich Familien den Rundgang entlang, auf dem Regisseur Wolfram Lenssen insgesamt 18 Stationen untergebracht hat. Unter dem Motto Entflammt hat er an den einzelnen Standorten, er nennt sie Spielorte, Licht- und Toninstallationen eingerichtet. Dabei gelingen ihm auch durchaus schöne Momente, wie etwa die Gewitterlandschaft mit imaginär beleuchteten Bäumen und einer ergreifenden Geräuschkulisse, oder Leidenschaften, eine Toncollage vor dem Panorama des Schlosses. Überhaupt ist die Akustik nahezu kongenial. Leider hat es sich damit auch schon. Alsbald mag man keine rot beleuchteten Bäume mehr sehen, und spätestens Am Lagerfeuer hat sich auch die Lust an der Suche nach den künstlerischen Aspekten erledigt.
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Die Idee stimmt und zieht die Besucherinnen und Besucher magisch an - allein, an der Ausführung hapert es noch.
Dutzende von Fotografen, die mit ihren Stativen nicht nur im Waldboden stochern, sondern sie auch gern mal gefährlich nahe in die Nähe der Augen anderer Besucher bringen, tun sich schwer damit, geeignete Motive zu finden. So gerät unversehens der Mond in den Mittelpunkt der Fotografenlust. Lenssens Konzept überzeugt nicht. Es ist nicht Kunst und nicht Sensation; Romantik und Überraschung bleiben auf der Strecke. Eine Dramaturgie sucht man vergebens, wenn man davon absieht, dass am Schluss des Rundgangs die Lasershow am Schloss steht, die die Besucher von der Orangeriehalbinsel aus sehen können, abgetrennt durch einen sumpfigen Graben.
Die Projektionen auf der Schlosswand erinnern an jemanden, der die Effekte in einem Präsentationsprogramm im Computer entdeckt hat und sie jetzt mal durchspielt. Die Scheinwerfer erleuchten den Abendhimmel, ohne dass ein tieferer Sinn erkennbar wäre. Und die digitalen Flammen sind allenfalls in den ersten zehn Sekunden eindrucksvoll. Was Lenssen und sein Team zeigen, ist, dass Illumina ein ungeheures Potenzial hat. Ausgenutzt wird es nicht einmal ansatzweise. Das führt dazu, dass die Besucher ihre Enttäuschung in vermeintlich lustige Bemerkungen umwandeln und damit leider nicht nur ihre Begleiter, sondern auch das Umfeld beglücken. Statt staunender Menschen, die sich respektvoll und mit der nötigen Rücksichtnahme durch den Englischen Landschaftsgarten bewegen, sich einer romantischen Schlossnacht mit einer gewissen Andacht hingeben, lärmen die Massen durch den Wald. So ist Illumina letztlich ein wenig überzeugendes Familienfest, bei dem viel Technik zwischen den Bäumen untergebracht wird. Für eine dauerhafte Einrichtung ist das zu wenig.
Michael S. Zerban, 10.9.2011
Informationen zu Schloss Dyck
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