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Toller Titel

Nachrichten von heute: Kachelmann, der schweren Vergewaltigung angeklagt und inhaftiert, ist so gut wie entlastet. Im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) nicht einmal eine Notiz. Für den Tod von 25.000 Menschen werden zwei Verantwortliche zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung und ein paar tausend Euro Geldstrafe verurteilt. Im ZDF entfällt die Information über die Bewährung.

Vor diesem Hintergrund tendenziöser Meinungsmache durch Unterlassung in einem öffentlich-rechtlichen Sender tritt Markus Reiter an, gegen eine Gesellschaft "Dumm 3.0" - so der provokante Titel seines Buchs - zu wettern. Leider geht es ihm dabei nicht um den Qualitätsverfall im öffentlich-rechtlichen Bereich, sondern um eine Abrechnung mit der Interneteuphorie - und die misslingt. In gefälligem Stil - bei oberflächlichem Korrektorat, leider - werden allzu bekannte Argumente gegen die Nutzung des Internets vorgetragen. Das mag vielleicht die vielzitierten "Internet-Apologeten" beeindrucken, aber die werden solch ein Buch nciht lesen. Auf 187 Seiten erfahren wir von der Filterfunktion des Journalismus, die mehr als umstritten ist (siehe oben), den üblichen Vorbehalten gegen Wikipedia (die zudem relativ wirklichkeitsfremd sind) und der Auseinandersetzung mit dem Urheberrecht (das inzwischen mehr Abmahnanwälten als den Kreativen selbst nutzt). Ein echter Beitrag dazu, wie wir zu vernünftigen Erlösmodellen im Internet kommen, bleibt der Autor ebenso schuldig wie die Antwort auf die Frage, wie wir mit dem künftigen Bildungsabgrund umgehen. Was das Buch lesenswert macht, ist einerseits der flüssige Stil. Andererseits machen die plakativen Bilder Spaß. Abwechslungsreich sind auch die eingestreuten Portraits.

Einen echten Beitrag zur Diskussion, wie sich Internet und Journalismus weiter entwickeln (oder weiter entwickeln könnten), liefert es nicht.

Kaufinformation

Markus Reiter:
Dumm 3.0 - Wie Twitter, Blogs und Networks unsere Kultur bedrohen
Gütersloher Verlag
gebunden, 192 S.
17,95 Euro
ISBN
978-3-579-06883-1

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