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Jawoll

Brauchen wir Heimatzeitungen? Und wenn ja, wie macht man so etwas, damit es die Menschen vor Ort – und möglicherweise darüber hinaus – anspricht? Herzblut und Heimatliebe sind sicher gute Zutaten. Ein tragfähiges wirtschaftliches Konzept und gute Geschichten gehören ebenfalls dazu. Im Sauerland gibt es mit Woll einen neuen Titel, der es versucht.

Wir sind das Magazin aus der Region für die Region. Und Region ist immer ein überschaubarer, zusammengewachsener Lebensraum, in dem Menschen ihre Art zu leben, ein wenig kultiviert und unverwechselbar gemacht haben“, beschreibt Herausgeber Hermann-J. Hoffe seine neue Zeitschrift für die Region Schmallenberg/Eslohe und deren Zielgruppe. Dabei sieht Hoffe auch die Gäste als festen Bestandteil der Region. Während die Welt immer unübersichtlicher zu werden scheint, ziehen die Menschen sich mehr und mehr in ihre Region zurück. Damit steigt auch das Bedürfnis zu erfahren, was im unmittelbaren Umfeld geschieht. Diesem Lebenskonzept folgt eine neue „Heimatzeitschrift“, die so ganz anders daherkommt als Wochenblätter oder Tageszeitungen. Woll – Worte, Orte, Land und Leute nennt sich die Zeitschrift, die sich als Magazin für die Sauerländer Lebensart positionieren will. Der Titel ist nicht nur Abkürzung, sondern vor allem auch das Wort, an dem sich, wenn es denn an den Schluss einer Frage gestellt wird, Sauerländer auf der ganzen Welt gegenseitig erkennen.

Vier Mal im Jahr wird das Hochglanzmagazin in modernem Erscheinungsbild mit Geschichten von Menschen aus der Region erscheinen. Angst, dass es mit den Themen mit der Zeit eng werden könnte, hat Hoffe nicht. „ Wir haben inzwischen eine ellenlange Liste von Themen und ich glaube, dass wir eher das Problem haben, nicht alle interessanten Themen und Ereignisse ausreichend würdigen zu können, als das uns die Themen ausgehen“, sagt Hoffe. Selbstverständlich werden auch die wichtigen Themen angefasst. Allein 20 Schützenvereine in der Stadt Schmallenberg und 7 Schützenvereine in der Gemeinde Eslohe mit über 10.000 Schützen wollen sich in einer solchen Zeitschrift wiederfinden. Das Geheimnis des Erfolgs: Abseits der Schützenumzüge und Bierseligkeit sucht die Redaktion die Geschichten dahinter. Eine andere Herangehensweise wird es auch bei dem Thema Demographie und deren Auswirkungen auf die ländliche Region in der nächsten Ausgabe geben. „Wir machen es so, dass es die Menschen in der Region inspiriert und motiviert“, verspricht der Herausgeber. Parteipolitische Themen schließt er für das Heft aus.

Das Konzept scheint zu funktionieren. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Mit einem Coup startete Woll, um die nötige Bekanntheit zu erreichen:

Die ersten beiden Ausgaben wurden gratis verteilt. Der beabsichtigte Effekt trat ein. Seither wird in Schmallenberg und Eslohe eifrig diskutiert, wie man „so ein schönes Magazin“ kostenlos verteilen kann und ob man das Heft mit einem Jahresabonnement-Preis von 15 Euro finanzieren kann. Ermöglicht wird der Preis, weil das Magazin das ideale Umfeld für die örtliche Werbung bietet. Und so können die Produktionskosten nach eigenen Angaben mit dem Anzeigenverkauf erlöst werden.

Zudem gibt es bereits eine Lizenzausgabe in der Gemeinde Sundern/Sorpesee. Zusätzliche Lizenzausgaben werden erwartet. „Als weitere Einnahmequelle wird auch der Verkauf von Produkten – wie zum Beispiel das Poster mit den schönsten Sauerländer Wörtern – genutzt, die vor allem über den Online-Shop angeboten werden“, rundet Hoffe die Einnahmesituation ab.

In Sachen Vermarktung, Markenbildung und -führung kann der Kommunikationsexperte auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken. Nach vielen Jahren in der Werbeabteilung eines großen Textilherstellers am Ort, wo er „von der Pike auf alles lernte, was man wissen muss, um eine Marke zu führen“, machte Hoffe sich als Marketing- und Kommunikationsberater, schließlich mit eigener Werbeagentur selbstständig. Die Agentur ist verkauft. Ein neues Team hat sich um Hoffe im beschaulichen Kückelheim versammelt. Der niederländische Journalist Tiny Brouwers kümmert sich um die redaktionelle Qualitätssicherung, den Part der grafischen Gestaltung übernimmt Rainer Zepernick, langjähriger Weggefährte Hoffes. Eine fünfköpfige Redaktion und freie Autorinnen und Autoren sorgen für die richtigen Beiträge.

Woll besticht – neben dem originellen Titel, für den es von den Lesern viel Lob gibt – mit überwiegend professionellem Bildmaterial, ausgefallenen Geschichten, einer sehr angenehmen und regelkonformen Typografie sowie hochwertiger Optik und Haptik. Das Konzept überzeugt, und das Heft gefällt. Die Macher können hier den Beweis antreten, dass es sehr wohl ein Interesse in der Bevölkerung an Printprodukten gibt – wenn sie nur gut gemacht sind und die Bedürfnisse ihrer Leserinnen und Leser berücksichtigen, anstatt als „neue Geschäftsmodelle“ ausgerichtet zu werden.

Michael S. Zerban, 1.1.2012

Website und Online-Shop von Woll