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Hippe Kaninchen

Für alle, die Cocooning im Winter langweilig finden, bietet Utrecht mehr als Klotschen und Fietsen. Ein abwechslungsreiches Programm von Kitsch bis Kunst lässt sich auch bei Regenwetter ganz prima genießen. Ein Überblick über die Herbst- und Wintermonate.

Grachten, an deren Ufern sich ehemalige Warenhäuser, Cafés und prächtige Patrizierhäuser aneinanderreihen. Eine vitale Innenstadt mit verwinkelten Kneipen und Geschäften. Zahlreiche ungewöhnliche Ausstellungshäuser wie das Museum für Aborigines-Kunst, das Spieluhrenmuseum oder das Museum Catharijneconvent, das in einem alten Kloster die Geschichte des Christentums in den Niederlanden erzählt. Schließlich der Dom, der mit seinem 112 Meter hohen Turm lange Zeit das höchste Gebäude der Niederlande war. In der viertgrößten Stadt des Landes gibt es an sich schon ausreichend Gründe für einen Besuch.

Für Herbst und Winter dieses Jahres hat die Stadt allerdings ein Programm zu bieten, das weit über den traditionellen Rahmen hinausgeht. Im November gibt es ein typisch niederländisches Ereignis: das Schnulzenfestival. Bands spielen in zahlreichen Cafés und Restaurants in der Innenstadt Schlagermusik bis tief in die Nacht. Moderner und internationaler geht es beim Musikfestival Le Guess Who? zu. Erwartet werden unter anderem Panda Bear aus New York, Bo Ningen aus Japan und Inerane aus Nigeria. Ein Kammermusik-Festival schließt den musikalischen Reigen zwischen den Jahren ab.

Ein Kunstprojekt der besonderen Art stellt Trajectum Lumen dar. Von der zentral gelegenen Vredenburg führt eine in den Boden eingelassene Lichtspur vorbei an den Werken renommierter Lichtkünstler. In den kommenden zwei Jahren erstrahlen entlang der Route immer mehr Kunstwerke. Objekte, Gebäude, Straßen, Grachten und Brücken rücken dabei ins Rampenlicht und erzählen so auf kreative Weise eine Geschichte der Stadt. Die Route führt entlang besonderer und teilweise unbekannter Orte im historischen Zentrum. Höhepunkt der Veranstaltung werden die Feierlichkeiten des Friedens von Utrecht 1713 sein, der den Spanischen Erbfolgekrieg beendete.

Eine etwas andere Art des Spaziergangs bieten ehemalige Obdachlose und Drogenabhängige mit Utrecht Underground an. Mit dem Zertifikat zum ausgebildeten Fremdenführer in der Tasche begleiten sie Besucherinnen und Besucher zu den Orten, wo sie früher „abgehangen“ haben. Auf oft humorvolle Weise erzählen sie dabei vom Leben auf der Straße. Das Ganze dient einem guten Zweck.

Spaß auch für die ganze Familie

Nicht nur für Kinder ist der Besuch im Dick-Bruna-Haus am Centraal Museum lohnend. Dick Bruna ist der Schöpfer der Nijntje-Bücher, in Deutschland besser bekannt als Miffy-Bücher. Während die Kinder die hippen Kaninchen in der Mitmachabteilung bestaunen, können Erwachsene in der angegliederten Werkschau mehr über die vielfältigen Talente des Kinderbuchautors und Grafikers Bruna, der in Utrecht lebt und arbeitet, erfahren. Korrespondierend dazu läuft noch bis in den Januar die Ausstellung Nijntje in der Mode.

Einen Tag vor Heiligabend wird die Winter Station mit einem Feuerwerk eröffnet. Inmitten der Gleise des Eisenbahnmuseums entsteht eine Winterlandschaft mit hunderten von Weihnachtsbäumen, tausenden Lämpchen und einer Eisbahn mit einem antiken Karussell.

Michael S. Zerban, 12.10.2011

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