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Wiedergeburt des Griechen
Die Erinnerung an „den Griechen“ der Jugendzeit ist tot. Es lebe „die junge Griechin“, die mit Qualität und Service überzeugt.
In der Pubertät, in einer Zeit also, als man noch „Kalorien“ für ein harmloses Fremdwort hielt, als man Fleisch noch lecker finden durfte, ohne ins gesellschaftliche Abseits zu geraten, und Essen noch ins Taschengeldbudget passen musste, traf man sich „beim Griechen“. Fleckige, weißrot-karierte Tischdecken auf alten Küchentischen, auf denen immer ein gefüllter Weißbrotkorb stand. Da gab es den Teller Gyros mit Pommes frites für fünf Mark. Das war herzhaft, lecker, bezahlbar und machte wirklich satt. Die Wände im klassischen hellblau wogender Wellen, dazwischen Götter längst vergessener Welten. Mindestens ein Fischernetz rundete muschelverziert die Dekoration ab. Auch für ein paar Stelen war immer noch Platz. Die Zeiten haben sich geändert.
Heute muss das Ambiente stimmen und das Essen so portioniert sein, dass es in den täglichen Nährwertbedarf passt, wenn man denn schon ein hohes Budget für ein Abendessen investiert. Damit ist die griechische Küche unmerklich aus dem Blickfeld geraten, schicker ist da schon asiatisch, italienisch oder französisch. Es mag schon sein, dass die griechischen Anbieter den Wandel verschlafen haben, viele heute als Pommesbuden vor sich hinvegetieren. Zudem ist es der griechischen Gastronomie bislang kaum gelungen, eine Identität jenseits von Gyros und gefüllten Weinblättern zu entwickeln.
Eine glorreiche Ausnahme stellt Sophias Restaurant auf der Luxemburger Straße in Köln dar. Im April vergangenen Jahres eröffnet, erinnert hier nichts an derbe Fischerromantik und Meeresmythologie. In einer gepflegten Mischung edler Materialien präsentiert sich ein behaglich-elegantes Interieur, das den Gast zum Verweilen einlädt. Leider nur den nicht rauchenden Gast, für den Raucher bleibt immerhin bei gutem Wetter die überschaubare, gemütliche Terrasse. Eine kleine Bar mit ein paar Hockern davor hilft, die Wartezeiten zu überbrücken, wenn – wie so oft – die Tische alle besetzt sind.
Inhaberin Anna-Sophia Lasos hat das Konzept der kleinen Speisen entwickelt. 93 Positionen bietet die Speisenkarte mit einem breiten Spektrum von frischem Gemüse, Fleisch und Käse zu überschaubaren Preisen. Wichtig ist Lasos dabei, dass es sich um die echte griechische Küche handelt, um Hausmannskost, die schon die eigene Oma zubereitet hat. Diese edel aufzubereiten, ist Aufgabe der Chefköchin Aikaterina Syrou, die, bevor sie nach Köln kam, im renommierten Krikella in Thessaloniki gearbeitet hat. Heute zählt sie zu den griechischen Spitzenköchinnen, ohne auch nur den Ansatz von Attitüde zu zeigen. Vielmehr setzt sie sich am Ende des Abends auch schon mal in die Runde und erzählt von den Besonderheiten der Zubereitung, ganz so, wie man sich das als Gast wünscht. Dabei kann sie getrost von der Frische der Speisen sprechen, denn da stößt sie mit ihrer Chefin ins gleiche Horn.
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Schickes Ambiente, das die Gemütlichkeit nicht vermissen lässt, passt zum guten Essen und Service in Sophias Restaurant.
Die ist als Tochter des griechischen Großmarkthändlers Stylianos Lasos, der seit den neunziger Jahren den Groß- und Einzelhandel im internationalen Umfeld beliefert, in Köln aufgewachsen und hat schon frühzeitig ein Gespür für die Auswahl der richtigen Waren ausprägen können.
Übrigens nicht nur bei der Warenauswahl hat sie ein glückliches Händchen. Der Service ist exzellent, wenn auch manchmal ein wenig oversized. Da werden die Speisen überschwänglich, aber unverständlich benannt, wenn sie auf den Tisch kommen, um dann beim Wein ein wenig zu schwächeln. Ein bisschen weniger, dafür aber fundierter, wäre sicherlich mehr. Immerhin gibt es ja beim Wein einiges zu erzählen. Denn griechischer Wein ist nicht ganz unkompliziert. Zu wenig wissen die übrigen Europäer davon, um sich den für sie namenlosen Weingütern anzuvertrauen. Andererseits gibt es eine Spezialität des Hauses: Aus der Heimat von Vater Stylianos, einem kleinen Ort in der Nähe von Athen, wird die Savatiano-Traube im gleichnamigen Wein eben nicht als Besonderheit angeboten. Das ist schade, denn so etwas lieben die Gäste heute wie vor dreißig Jahren: Wenn es eine kleine Geschichte dazu gibt. Der Wein muss ja gar nichts Tolles sein, einfach nur gut schmecken und am nächsten Morgen eine angenehme Erinnerung hinterlassen. Aber hier will keiner beckmessern, wird doch auch in einem griechischen Restaurant in Köln am liebsten ein Bier getrunken.
Wenn die Rechnung gezahlt ist, die zwar auch hier nichts mehr mit der „beim Griechen“ zu tun hat, aber immer noch erstaunlich viel Luft zum Atmen lässt, wenn einem die frische Luft beim Verlassen des Restaurants auf der Luxemburger Straße entgegenschlägt, ist das der erfrischende Abschluss eines wirklich angenehmen Abends. Eines Abends, der im Abschied immer noch Zeit für den Satz findet: Hier müssen wir unbedingt noch mal hin.
Michael S. Zerban, 3.10.2011
Sophias . Restaurant - Mezedes-Bar . Luxemburger Straße 289 . 50939 Köln . Telefon 0221 16 94 88 24 . Öffnungszeiten Montag bis Samstag 17 - 23 Uhr, Sonn- und Feiertag 12 - 23 Uhr. Alle Gerichte auch zum Mitnehmen.
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