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Der Mythos lebt Was in den Straßen Roms begann, hat vor vielen Jahren schon Einzug in den Hügeln des Monferrato gehalten: die Weiße Nacht. Obwohl inzwischen vielfach kopiert, wartet die Tenuta Tenaglia auch zum sechsten Mal mit einem überraschenden Programm auf. Menschen aus aller Welt treffen sich in einer der legendär heißen Nächte in Rom, um den Sommer zu feiern, Gaukler und Artisten zu bewundern. Wildfremde Menschen feiern miteinander, lernen sich kennen und vergessen einander nicht mehr. Das trifft die Seele der Sabine Ehrmann, Tochter der deutschen Joghurtproduzentenfamile, die Italien seit langem schon verfallen ist. Sie trägt die Idee ins Piemont, auf ihr Weingut Tenuta Tenaglia, in dem sie schon immer mehr sieht als einen bloßen Ort der Weinproduktion. Hier will sie einen Treffpunkt internationaler Kunst errichten, einen Freundeskreis der Künste und Kultur gründen. Da kommt die Idee der Notte Bianca in Colline gerade recht.
Inzwischen ist die Notte Bianca als Tourismus-Idee entdeckt, und es gibt kaum einen Sindaco, der sie nicht in seiner Gemeinde veranstaltet. Damit verkommt die Notte Bianca auch immer häufiger zu einer Ansammlung von Schau- und Fressbuden auf nächtlichen Dorfstraßen. Nicht so auf der Tenuta Tenaglia, wo die Weiße Nacht als kleines intimes Fest begann. Dann entdeckte die Provinz Alessandria das Potenzial der Veranstaltung. Fortan wurde sie gefördert und konnte sich zu einer veritablen Gala der Nacht entwickeln. Bis zu 500 Gäste waren auf dem Weingut in einer Julinacht keine Seltenheit mehr. Vor zwei Jahren dann die Hiobsbotschaft. „Als uns die Nachricht erreichte, dass die Provinz unser Engagement nicht mehr unterstützt, waren wir erst mal ratlos“, erinnert Ehrmann sich. |
Mit Mut und Willenskraft Aber es passt nicht zur lebensbejahenden Philosophie einer Sabine Ehrmann, beim ersten Widerstand aufzugeben. „Wir wollten zumindest einmal auf eigenen Füßen versuchen, das erreichte Niveau zu halten“, erzählt die unerschrockene Unternehmerin. Silvia Basso, für die Organisation solcher Veranstaltungen zuständig, wird diese Nacht in diesem Leben nicht vergessen. „Alle, die auch nur irgendwie auf dem Weingut beschäftigt waren, arbeiteten im Schweiße ihres Angesichts bis in die frühen Morgenstunden.“ Als die letzten Gäste nach einem üppigen Frühstück das Anwesen verlassen, ist klar: Mit weit über 500 Gästen ist das die beste Veranstaltung, die die Tenuta Tenaglia in diesem Zusammenhang bis dahin gesehen hat. Allerdings steht der finanzielle Einsatz in keinem Verhältnis zum Ertrag. Dem steht gegenüber: Mehr Gäste denn je, mehr internationale Gäste denn je, mehr Presse denn je. Neue Freundschaften und Begeisterung auf allen Seiten bestärken Sabine Ehrmann darin, den Versuch aufs Neue zu wagen. Die Weinproduzentin und Kunstliebhaberin wächst über sich selbst hinaus. Wenn in diesem Jahr die sechste Notte Bianca in Colline stattfindet, wird der Süden in den Norden geholt. „Das Motto begeistert die Piemonteser schon jetzt: Eine neapolitanische Nacht.“ Geplant ist die Nacht schon. Zwischen den Eckpunkten einer Tarantella und der Degustation hält Ehrmann die Überraschung parat. Roberto Imarisio, der Chef-Önologe des Weingutes und begnadeter Jazz-Pianist, gibt sich ebenfalls geheimnisvoll. „Das steht alles nicht in meinem Arbeitsvertrag, was in dieser Nacht auf mich zukommt“, schmunzelt er über die Vorbereitungen zur Notte Bianca, „aber es wird wunderbar.“ Für Gäste aus Deutschland, die an der Notte Bianca teilnehmen wollen, hält das Weingut Unterkünfte zu besonderen Konditionen bereit. Denn daran soll die Teilnahme an der Notte Bianca nicht scheitern. „Es wird schließlich die beste, die wir bisher hatten“, gibt sich Ehrmann siegessicher. Michael S. Zerban, 29.3.2010 Mehr Informationen zur Tenuta Tenaglia |