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Gekonnte Kooperation

Wie Einzelunternehmen ihre Kommunikation mit anderen Unternehmen bündeln können, um sich mehr Gehör bei Journalisten zu verschaffen, hat jetzt ausgerechnet die sonst als nicht besonders innovationsfreudig bekannte Kultur-PR vorgeführt. Ein Beispiel, das zum Nachmachen einlädt.

Die Pressesprecherinnen und Pressesprecher der Opernkonferenz haben ein gemeinsames Portal geschaffen. Der Opernkonferenz? Seit 1957 gibt es diese Veranstaltung zwei Mal im Jahr. Angesiedelt ist sie im Deutschen Bühnenverein. Es ist einigermaßen typisch, dass außer ein paar Personalien nicht viel mehr darüber zu erfahren ist. Jetzt aber hat André Kraft die Initiative ergriffen und damit auch schlagartig die Opernkonferenz ins Licht der Fachöffentlichkeit gerückt. Kraft ist nach eigenen Angaben seit rund zwanzig Jahren im PR-Geschäft unterwegs, seit vielen Jahren als Pressesprecher der Komischen Oper Berlin aktiv. Eigentlich ein kommunikativer und hilfsbereiter Mensch, allerdings mit Mitarbeitern gesegnet, die nach telefonischer Auskunft seine Mobilfunknummer nicht kennen, weil sie immer nur per E-Mail mit ihm kommunizierten. Bereits vor einiger Zeit ist der PR-Arbeiter Kraft in Erscheinung getreten, als es ihm gelang, einen gemeinsamen Internetauftritt für alle Berliner Bühnen zu organisieren. Wer im „Kulturgeschäft“ unterwegs ist, weiß, was das an Engagement und Überzeugungskraft bedeutet. Jetzt hat der Pressesprecher sich selbst übertroffen.

Seit rund zwei Wochen ist die neue Plattform musik-theater-premieren.de online. Dort können sich die Medienvertreter nach verschiedenen Kriterien über viele Premieren informieren. Zwar längst nicht über alle, was gerade für überregional tätige Journalisten von Interesse wäre, aber seitdem die Plattform online ist, ist auch das Interesse der einzelnen Häuser, die sich bislang nicht angeschlossen haben, schlagartig gestiegen, bestätigt Kraft. Zwar, so sagt er, gehe er nicht davon aus, dass sich letztendlich alle in Frage kommenden Häuser anschließen werden, aber diejenigen, die sich selbst ausschließen, haben dann wohl auch die Folgen selbst zu verantworten. Selbst in Österreich und in der Schweiz ist der Anfang schon gemacht.

Danach haben die registrierten Journalisten völlig unproblematisch die Möglichkeit, sich über die Spielpläne der sie interessierenden Häuser mit wenigen Klicks zu informieren. Das dürfte zukünftig ganze Bibliotheken in den Redaktionen ersparen, wenn die Site ordentlich gepflegt wird. Der geniale Schachzug: Für die Pflege der Daten sind die Häuser selbst verantwortlich. Sie melden sich auf dem Portal an und versorgen es mit Daten, indem sie sie direkt selbst einstellen.

Jedweder – zugegebenermaßen unsinnige – Konkurrenzgedanke wird so ganz schnell aufgelöst, denn wer wie viele Daten online stellt, ist dafür selbst verantwortlich. Auch die Gestaltungsfreiheit bleibt erhalten, denn die Plattform verlinkt lediglich auf die Häuser. Was die dann daraus machen, ist ihre Sache. Angenehmer Nebeneffekt für die Medienvertreter: Das Internet rückt weiter in das Bewusstsein der PR-Arbeiter. Und für so manches Haus mag das auch bedeuten, die Effizienz der eigenen Site einmal in Frage zu stellen und vielleicht praktikablere Lösungen – gerade für die PR-Arbeit – zu suchen. Suchen Journalisten doch heute noch oft genug verzweifelt nach den Pressekontakten, selbst, wenn sie gelernt haben, dass die sich häufig unter dem Menüpunkt „Service“ verbergen, wenn sie denn vorhanden sind.

Denkbar sind natürlich jede Menge Erweiterungen einer solchen Site. Die Tatsache, dass es sie gibt, ist allerdings schon mal ein überaus erfreulicher Umstand. Bleibt zu hoffen, dass die Journalisten sie auch rege nutzen und durch Anfragen und Kommentare für die Weiterentwicklung der Site sorgen, auch wenn das im Moment noch einigermaßen umständlich ist.

André Kraft und seine Kolleginnen und Kollegen, die der Opernkonferenz angeschlossen sind, haben allerdings schon jetzt gezeigt, dass Innovationen möglich sind. Gleichzeitig haben sie verdeutlicht, dass PR-Arbeit im kulturellen Bereich heute einfach mehr ist, als Pressekarten zu reservieren und freundlich höflich-reserviert zu lächeln.

Schlussendlich hat hier die Kultur aber auch Wirtschaftsunternehmen gezeigt, dass ein Weiterdenken notwendig ist und Kooperationen durchaus nicht immer einen Verlierer zurücklassen. Und damit hat sie Zeichen gesetzt: Wirtschaft ist ohne Kultur nicht möglich.

Michael S. Zerban, 27.11.2011