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Eine andere Dimension


Die Schere öffnet sich zwischen der Hostellerie und den elitären Unterkünften. Eine attraktive Alternative bieten die italienischen Agriturismi. Landwirtschaftsbetriebe, die komfortable Fremdenzimmer anbieten und abseits der ausgetretenen Touristenpfade zu finden sind. Wir haben ein Agriturismo besucht.


Es gibt Wege, die lohnen sich. Auch, wenn sie beschwerlich sind. Der Weg zum Monferrato Resort ist so einer. Von der Landstraße aus Richtung Moncalvo kommend, geht es rechts ab über Feldwege, ehe eine künftige Allee die bequeme Anfahrt zum Landhaus ermöglicht.

Inmitten des üppigen Grüns satter Wiesen, umgeben von dichten Wäldern, präsentiert sich eine von außen eher unscheinbare Anlage, die dem Auge erst nach und nach ihre wahre Pracht entfaltet. „Früher war das hier eine heruntergekommene Landwirtschaft“, erzählt Laurent Laret, Geschäftsführer des Monferrato Resort. Notar Massimo Cagnacci erkennt das Juwel in der Ruine, saniert, erweitert, baut aus. Allmählich nur nimmt die Nachbarschaft zur Kenntnis, was da entsteht. Ein vielleicht einzigartiges, jedenfalls mutiges Konzept. Eigentlich ist das Monferrato Resort aus Marketingsicht ein Missverständnis. Ein riesiger Eventsaal, zu groß für familiäre Veranstaltungen. Ein Kino ist dort ebenfalls untergebracht. Eine Leinwand wird heruntergelassen und vor einfachen Stühlen mit einem Beamer bestrahlt. Da kommt einem die Erinnerung an die Scheunenkinos, wie es sie zahlreich in den ländlichen
Gegenden der 1980-er Jahre gab. Eine Bühne mit kompletter Technik rundet das Ambiente für Großveranstaltungen ab. Lounges, Bars und ein Restaurant auf zwei Ebenen bilden das gastronomische Angebot und bieten den Gästen jede Menge Rückzugsmöglichkeiten. Gerade mal sieben Zimmer sind eigentlich zu wenig, um die Gäste eines Kongresses unterzubringen. An wen richtet sich also das Angebot? Einfache, wie überraschende Antwort: An alle. Urlauber aus China, Polen, England und Deutschland genießen die Rückgezogenheit ebenso wie Geschäftsleute, die sich über neue Entwicklungen der Branche austauschen wollen; aber auch die nähere Nachbarschaft feiert hier die Kommunion, Hochzeit oder andere Ereignisse.

Ausstattung vom Feinsten

Spätestens jetzt schlägt jeder Marketer die Hände über dem Kopf zusammen. Aber: Es funktioniert. Das mag an der Freundlichkeit des Personals liegen. Oder an den Preisen. Ein mehrgängiges Menü für 30 Euro ist erstaunlich, auch wenn die Qualität der Küche von Andrea Soffientino noch sehr weit von einem Stern entfernt ist. Roberto Costanza hat sein Team im Restaurant fest im Griff, und so macht Service Spaß.


Vielleicht liegt es aber auch an der Ausstattung der Zimmer. Klimaanlage, Fernseher in erträglicher Größe und kostenloser Internetzugang gehören ebenso dazu wie anheimelndes bis edles Mobiliar. Das Bad lässt keine Wünsche offen, der fehlende Aschenbecher schon. Für 80 Euro die Nacht für das Doppelzimmer geht das aber auf jeden Fall in Ordnung. Die Panoramaterrasse schließlich lässt den Besucher in eine andere Dimension eintauchen. Da gerät der Swimming-Pool, der gerade in für das Haus üblicher Großzügigkeit angelegt wird, fast zur Nebensache. Selbstvergessen flanieren die Gäste über die Terrasse, entdecken immer neue Perspektiven und vergessen für ein paar Momente den Rest der Welt.

Auf dem Weg zur internationalen Begegnungsstätte

Cagnacci reagiert auf das Ergebnis seiner Arbeit mit Selbstbewusstsein. Er hat die „Eccellenza del Monferrato“ ausgerufen und den Begriff schützen lassen. Darunter fasst er drei Betriebe zusammen, die sich ernsthaft und vehement für die Förderung des Tourismus im Monferrato einsetzen. Dass in diesem Zusammenhang der Name der Tenuta Tenaglia auftaucht, ist kein Zufall. Sabine Ehrmann, Inhaberin des Weingutes, ist erst kürzlich für ihr Engagement im Monferrato mit einem Preis geehrt worden. Einen Preis hat Cagnacci für sein Engagement um die „Terra del Monferrato“ noch nicht bekommen; für sein umfangreiches Programm „Sapori in Collina“ hätte er ihn allemal verdient. Wer einmal zu Gast im Monferrato Resort war, wird die mühevolle Anreise wohl immer wieder gern in Kauf nehmen. Und wenn der Internetauftritt denn auch nicht weiter in Schönheit stirbt, sondern künftig interessanter informiert, sollte dieser Insidertipp bald das werden, was die Tenuta Tenaglia heute schon ist: eine internationale Begegnungsstätte.


Michael S. Zerban, 5.6.2010

 


www.monferratoresort.com
www.latenaglia.de
Fotos (mehr in der pdf-Datei): Siggi Müller