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Krise

21 Tote - Schweigen. 21 Menschen aus der Mitte des Lebens zum Tode befördert. Ohne Schuld, ohne Wahl. Mein Sohn war nur zufällig nicht dabei. Vielleicht schränkt eine solche Sichtweise die Objektivität ein. Aber hilft Objektivität bei 21 Menschen weiter, die eine Party besuchen wollten und ihr Leben verloren, weil Organisationsfehler auftraten? Die Pressekonferenz, die am Sonntag, 25.7.2010, stattfand, war die Bankrotterklärung der Stadt Duisburg. Angesichts menschlicher Tragödie war menschliche Größe gefragt. Stattdessen wurde vom ersten Wort an gemauert. Schläge in die Gesichter von Angehörigen der Opfer. Später wird man einmal fragen, ob diese Pressekonferenz nicht das schlimmere Ereignis war als die eigentliche Tragödie selbst. Ein Oberbürgermeister, der sich "schützend" vor seine Mitarbeiter stellt, ein Sicherheitsdezernent, der mit vollständig unglaubwürdigen Zahlen operiert, ein Pressesprecher, der Journalisten abbügelt, mehr braucht es kaum, vielleicht noch eines Transparentes mit der Aufschrift "Wir sind schuldig, winden uns aber" über den Köpfen dieser Selbstdarsteller bis zum Schluss. Nachdem die Krisenkommunikation auf dieser Ebene eröffnet worden ist, stellt sich nicht länger die Frage, ob es sich um ein unglückliches Ereignis handelte, sondern nur noch die Frage, wer die tatsächlich Schuldigen waren. Es geht nicht mehr um Gnade und Barmherzigkeit, sondern um lückenlose Aufklärung und schnellstmögliche Strafe für die Mörder. Die Verantwortlichen scheinen immerhin nach dieser Veranstaltung begriffen zu haben, was sie da angerichtet haben, denn seitdem sind sie abgetaucht. Wer so kommuniziert, zeigt, was er von seinen Schutzbefohlenen hält. Und da müssen die Duisburger Bürgerinnen und Bürger - unabhängig von den Geschehnissen - entscheiden, ob dieses Personal wirklich geeignet ist, für das Wohl ihrer Stadt zu sorgen. Viel spricht nicht dafür.

Herzlichst, Ihr Michael S. Zerban